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Kreuz vor dem Sonnenuntergang

Allzeit bereit – Exerzitien im Alltag

 

Einleitung und Anleitung

 

„Allzeit bereit“ – diesem Motto hat sich die Weltpfadfinderbewegung verschrieben. Auch wir wollen in den nächsten drei Wochen bereit sein; bereit sein, an uns zu arbeiten; bereit sein, Verantwortung für unsere Mitmenschen zu übernehmen; bereit sein, Gott in unserem Alltag willkommen zu heißen.

 

Ziel

Exerzitien verfolgen kein besonderes Ziel, was es unbedingt zu erreichen gilt. Vielmehr stellen sie ein Angebot für die Teilnehmenden dar, deren Gottesbeziehung über einen längeren Zeitraum in besonderer Weise zu thematisieren. Wir zielen dabei nicht auf ein bestimmtes Ergebnis, sondern wollen uns gemeinsam auf den Weg machen, in unserem Alltag Spuren von Gott zu finden und sie zu erkennen.

Die Fastenzeit bietet sich dabei besonders an, da sie die Zeit ist, in der wir Christen versuchen uns auf das Wesentliche zu konzentrieren und den Willen Gottes zu erkennen. Dafür verzichten wir auf manche Dinge um uns nicht von diesem Weg abzulenken.

 

Aufbau und Anleitung

Um Gottes Plan mit einem selbst zu erkennen, ist es ein guter Ansatzpunkt erst einmal bei sich anzufangen, die eigenen Lebensinhalte und Pläne zu prüfen und zu erkennen, welche Rolle Gott dabei einnimmt.

Ideal wäre es, wenn ihr euch in einer Gruppe zusammenfindet, eure Morgen- und Abendimpulse alleine gestaltet und euch einmal in der Woche in der Gruppe trefft, um euch über eure Erfahrungen auszutauschen. Hilfreich kann es sein, wenn sich eure Kuratin / euer Kurat oder auch jemand anderes aus der Gruppe dazu bereiterklärt die Leitung in die Hand zu nehmen. Es geht aber natürlich auch alleine!

Unsere Exerzitien im Alltag wollen uns auf dieser Reise über 3 Wochen begleiten. Sie bauen auf den Prinzipien der Pfadfinderbewegung auf, wie sie auch in der Ordnung der DPSG verankert sind. Als Pfadfinderin und Pfadfinder habe ich Verantwortung in drei Ebenen: 1.) Duty to god, 2.) Duty to others und 3.) Duty to self. Auf diesem Dreischritt bauen unsere Exerzitien auf. So wollen wir die ersten 7 Tage ganz der Frage nach der Verantwortung für mich selbst widmen. Die zweite Woche befasst sich mit der Frage nach der Verantwortung für andere und die dritte Woche thematisiert die Verantwortung für Gott. 

Jede Woche folgt dem gleichen Schema, sodass die einzelnen Themen je Woche unter den drei verschiedenen Ebenen der Verantwortung immer neu beleuchtet werden können.

Jeder Tag bekommt eine eigene Karte, auf der ein Morgenimpuls, ein Abendgebet und euer individueller „Kompass“ für den Tag abgedruckt sind. Eine Möglichkeit, wie ihr eure Exerzitien im Alltag gestaltet findet ihr in den beiden kommenden Kapiteln.

Damit es nicht allein beim persönlichen Gebet bleibt, könnt ihr euch aber auch als Gruppe treffen, euch über eure Erfahrungen austauschen und gemeinsam beten. Dafür findet ihr in diesem Heft auch ein paar Bausteine, die ihr verwenden könnt – aber nicht müsst.

Lange Rede – kurzer Sinn, probieren geht über studieren. 

 

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – Vorbereitung

 

Es ist wichtig, dass ihr euch bewusst Zeit für den Impuls und das Gebet nehmt. Bewusst heißt aber nicht unbedingt lang. Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch die thematisch passende(n) Karte(n) der vergangenen Woche(n) neben die aktuelle legen.

ORT

Empfehlenswert ist, wenn ihr euch einen Ort sucht, an dem ihr jeden Morgen und jeden Abend mit euren Karten die Einheiten gestaltet. Diesen Ort könnt ihr euch auch gerne schön gestalten, z.B. mit einem Kreuz oder einer Kerze, die ihr morgens und abends anzünden könnt.

VORBEREITUNG

Ich komme an diesem Ort an

Ich lege meine Karte für den Tag vor mich

Ich nehme meinen Körper wahr

Ich setze mich aufrecht hin

Ich atme langsam ein und aus

Ich besinne mich für den kommenden Impuls

Ich nehme Gottes Gegenwart bewusst wahr

Ich mache ein Kreuzzeichen und sage laut:

„Ich beginne meinen Tag im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.“

 

Morgenimpuls

Der Morgenimpuls bietet euch einen Text sowie kleine Impulsfragen zu dem Text an. Nachdem ihr das Kreuzzeichen gemacht habt, lest ihr den Text. Diesen könnt ihr laut oder leise lesen. Die Impulsfragen können Anreiz geben, euch in eurem Alltag mit diesem Thema einmal ganz bewusst auseinanderzusetzen und sollen euch in eurem Alltag begleiten. Die Karte könnt ihr euch in eure Hosentasche stecken und auf der Rückseite – eurem individuellen Kompass – Notizen machen, wenn euch wichtige Gedanken kommen, die es sich lohnt, festzuhalten.

 

Abendeinheit und Tagesrückblick

Nachdem der Tag vorüber ist, laden wir euch ein, euch noch einmal ganz bewusst Zeit für euch und für Gott zu nehmen. Ihr könnt erneut eure Kerze anzünden, die Karte vor euch legen und einen Moment innehalten, bevor ihr den Text vom Morgen mit euren Erfahrungen des Tages erneut lest. In einem kurzen Moment der Stille könnt ihr euch auch noch einmal die Notizen anschauen, die ihr euch den Tag über gemacht habt. Vielleicht geht ihr auch noch einmal Schritt für Schritt eure Erfahrungen des zurückliegenden Tages durch.

Welche Menschen habe ich heute getroffen?

Welche Momente haben mich heute glücklich gemacht?

War ich heute auch enttäuscht?

Was kann ich besser machen?

Zum Abschluss könnt ihr das Gebet auf der Karte laut oder leise sprechen, wie es euch lieber ist. Wenn ihr danach Gott um seinen Segen bitten wollt, könnt ihr das mit den folgenden Worten tun:

„Guter Gott, ich bitte dich um deinen Segen für diese Nacht und für einen guten Start in den neuen Tag. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.“

Dabei empfiehlt es sich ein abschließendes Kreuzzeichen zu machen. Da ihr morgens den Tag mit einem Kreuzzeichen begonnen habt, schließt ihr so euren gesamten Tag in das Gebet mit ein.

 

Gruppentreffen

Um euch über eure Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen, ist es ratsam, sich zu Beginn der Exerzitien und am Ende jeder der drei Wochen in einer Gruppe mit anderen Teilnehmenden zu treffen. Die ideale Gruppengröße sollte 10 Teilnehmende nicht übersteigen. Ein Gruppentreffen kann aus drei Elementen bestehen. 1.) Ihr könnt mit einem gemütlichen Beisammensein, wie z.B. einem gemeinsamen Essen, in das Treffen starten. Damit stärkt ihr den Gruppenzusammenhalt. 2.) Nach dem gemütlichen Teil könnt ihr euch über eure Erfahrungen der letzten Woche und eure Erwartungen für die nächste Woche während der Exerzitien austauschen. 3.) Ein gutes Ende für euer Treffen ist ein kurzer gemeinsamer Gottesdienst.

Vorschläge für euren Austausch und Gottesdienstbausteine findet ihr in diesem Heft. Diese können euch als Grundlage dienen. Wenn ihr eure Treffen anders gestalten wollt, steht euch das natürlich offen.

 

 

 

Printversion

Ihr könnt die Print-Version der Exerzitien für euren Stamm unter theologie@dpsg.de im Bundesamt bestellen.

Duty to self - Glaube

 

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Zwanzig Autos in einer Minute.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.
Die Bärenraupe weiß nichts von Autos.
Sie weiß nicht wie breit der Asphalt ist.
Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds.
Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits Grün wächst. Herrliches
Grün, vermutlich fressbar. Sie hat Lust auf Grün. Man müsste hinüber.
Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Sie geht los auf Stummelfüßen.
Zwanzig Autos in der Minute.
Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik. Fünf Laster. Ein
Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.
Geht los und geht und geht und kommt an.

(Rudolf Otto Wiemer)
 

Bundeskurat
Matthias Feldmann
Referentin Theologie
Ida Haurand