Einführung Medienpädagogik für die Wölflingsstufe

Die digitale Volljährigkeit beginnt heute ab 10 Jahren.Jan Puhlmann (Kids-Verbraucher-Analyse 2014)

Liebe Wölflingsleiterinnen und Wölflingsleiter,

die Hälfte aller Sechs- bis Neunjährigen nutzt bereits das Internet. Aber auch das Buch und Kinderzeitschriften haben bei Kindern noch lange nicht ausgedient. Soziale Netzwerke werden dagegen erst bei den 12- bis 13-Jährigen wichtig. Aber auch hier beginnt der Einstieg immer früher. Auf dieser Seite geben wir euch eine Einführung in den Bereich Medienpädagogik mit besonderen Blick auf die Belange orangen Altersstufe.

Die "digitale Revolution" ist nach aktuellen Erhebungen (August 2014) auch bei den Sechs- bis Neunjährigen angekommen. Etwas mehr als die Hälfte (51 %) nutzt laut der "Kids-Verbraucher-Analyse 2014" das Internet, bei den Zehn- bis 13-Jährigen sind es fast alle (97 %). Der BITKOM-Verband konkretisiert in seiner im April 2014 erschienenen Studie "Kinder und Jugend 3.0" diese Angaben weiter: 39 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen sind online (im Durchschnitt 11 Minuten am Tag). Bei den Acht- bis Neunjährigen sind es 76 Prozent mit 16 Minuten und bei den Zehn- bis Elfjährigen 94 Prozent mit 22 Minuten pro Tag. Bei den 12- bis 13- Jährigen steigt die Prozentzahl auf 98 und die tägliche Nutzung auf 59 Minuten. Bei den Nutzungsgründen führen gerade auch bei den jüngeren Nutzern (6-7 Jahren) neben dem Spiel auch die Bereiche Videos anschauen sowie Musik anhören.

Auch das technische Verständnis an sich hat zugenommen, seitdem immer mehr Computer und Spielekonsolen Einzug in die Haushalte und auch die (Grund-) Schulen gehalten haben. So wissen heute etwa acht von zehn Kindern, wie man Computer, Laptops, Tablets und Smartphones bedient. Bereits jedes dritte Vorschulkind besitzt diese Fähigkeiten. Auch der Besitz digitaler Geräte (Handys, Tablets) steigt bei Kindern und Jugendlichen an. Ein Fünftel der Sechs- bis Siebenjährigen, die Hälfte aller Zehn- bis Elfjährigen und 84 Prozent der 12- bis 13-Jährigen besitzt laut BITKOM ein Smartphone. 

Der Anteil der Kinder, die heute selbst digitale Inhalte über soziale Netzwerke veröffentlichen, steigt weiter an (2014: 30 Prozent der Zehn- bis Elfjährigen). Facebook & co werden dabei aktuell erst ab einem Alter von circa 12 bis 13 Jahren interessant. Hier liegt die Nutzung bei 42 Prozent. Laut BITKOM nutzen nur 10 Prozent der Zehn- bis Elfjährigen soziale Netzwerke. Die Zahl sinkt bei den jüngeren Altersgruppen rasant auf ein Prozent bei den Acht- bis Neunjährigen und null Prozent bei den Sechs- bis Siebenjährigen ab. Medienwissenschaftler und Soziologen gehen aber davon aus, dass das Einstiegsalter von sozialen Netzwerken weiter sinken wird.

Jan Puhlmann von der "Kids-Verbraucher-Analyse 2014" fasst die Erkenntnisse zur heutigen Mediennutzung von Kindern so zusammen: "Die digitale Volljährigkeit beginnt heute ab zehn Jahren".

Kinderbücher und Zeitschriften haben nicht ausgedient

Trotz der digitalen Medien, die im Kinderzimmer und in Schulklassen rasant zunehmen, haben Kinderbücher und Zeitschriften nicht ihren Reiz verloren. So schmökern drei Viertel der Sechs- bis 13-Jährigen einmal pro Woche in einem Buch. Eine BITKOM-Studie belegt zudem, dass es gerade die klassischen Printmedien wie die Zeltgeflüster sind, mit denen Kinder medial "sozialisiert" werden. So informieren sich 42 Prozent der Zehn- bis Elfjährigen über Zeitschriften, aber nur elf Prozent über das Internet. Diese Entwicklung dreht sich mit steigendem Alter um. 

Medien begleiten die Lebenswirklichkeit von Kindern

Eines der wichtigsten Ziele des Pfadfindens und besonders der Wölflingsstufe ist es, auf die Lebenswirklichkeit der Kinder zu schauen ("look at the boy and at the girl") und Wege aufzuzeigen, wie Kinder die Welt mitgestalten können. Daher ist es wichtig, dass sich Leiterinnen und Leiter aktiv mit dem Medienverhalten der Kinder auseinandersetzen und ihnen Wege aufzeigen, digitale Medien sinnvoll einzusetzen. 

Kindern sowohl Freiräume geben als auch schützen

Kinder ernst nehmen und ihre Wünsche respektieren heißt dabei auch, digitale Medien im Pfadfinderalltag zuzulassen. Allerdings nicht überall und nicht zu jeder Zeit. So ist das Leben im Zeltlager und in der Natur - damals wie heute - eine gute und wichtige Gelegenheit, "offline" zu sein. Dies ermöglicht den Wölflingen "einfach nur Kind zu sein" und besondere Erfahrungen zu machen

"Die Medienwelt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Medien sind für Kinder, Jugendliche und Leiterinnen und Leiter zu einem selbstverständlichen Begleiter des täglichen Lebens geworden." So hat die DPSG-Jahresaktion 2013 "SmartScout - Schlau im Umgang mit Medien" den digitalen Wandel beschrieben und dazu beigetragen, unsere Verbandsmitglieder "fit fürs Web" zu machen.

Diesen Impuls wollen wir bewusst aufgreifen und dort, wo es sich inhaltlich anbietet, auch mit Wölflingen Medien aktiv in die Pfadfinderarbeit einbauen. So hat sich die Bundeskonferenz der Wölflingsstufe 2013 mit dem Thema Medienpädagogik beschäftigt. Daraus sind einerseits diese Infoseiten für Leiterinnen und Leiter zum Thema Medienpädagogik als auch Beiträge im orangen Stufenteil der "Zeltgeflüster" und "Wölfis Webtipps" entstanden.

Damit wollen wir Wölflingen Anregungen geben, das World Wide Web zu erforschen und die Chancen der digitalen Medien (zum Beispiel im Bereich multimediales Lernen und dem Austausch mit anderen Menschen) nutzbar zu machen. Warum also nicht mal in der Gruppenstunde im Internet mehr über Pfadfinder in anderen Ländern erfahren, Fotos, Videos oder Trickfilme erstellen und diese online stellen sowie mit digitalen Hilfsmitteln geocachen?

Gleichzeitig wollen wir Leiterinnen und Leiter über die Herausforderungen in der Onlinewelt (Stichwörter: Kindeswohlgefährdung, Mobbing, Stalking und Computer-/ Spiel-/ Internet- Sucht) informieren sowie befähigen, Kinder davor zu schützen. Dies gilt besonders für die Nutzung von sozialen Netzwerken, die immer stärker auch Kinder für Kinder interessant werden und diese auch zunehmend ansprechen.

Wir greifen die aktuellen Entwicklungen auf und wollen dazu beitragen, Kinder bei ihrer digitalen Mediennutzung aktiv zu begleiten. Für die 6- bis 12-Jährigen wird ein "kontrolliertes loslassen" und für die 8- bis 18-Jährigen eine "kompetente Unterstützung" empfohlen. Dazu wollen wir in der Wölflingsstufe mit dem Themenbereich Medienpädagogik beitragen.

Wenn ihr Fragen, Anregungen oder Tipps zum Thema Medienpädagogik in der Wölflingsstufe habt, schickt uns gerne eine E-Mail an woelflinge@dpsg.de.

Link-Sammlung

Hilfreiche Links zum Thema Medienpädagogik haben wir hier für euch zusammengestellt:

Link-Sammlung Medienpädagogik

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