Bolivien

Landschaft in Bolivien
Foto: Andrea Bothe | DPSG

Die Partnerschaft zwischen dem bolivianischen Pfadfinder-Verband ASB und der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) reicht bis in die 60er Jahre zurück. Viele Diözesanverbände unterhalten regen Kontakt nach Bolivien.

Asociación de Scouts de Bolivia (ASB)

Die ASB ist mit ca. 10.000 Mitgliedern der einzige Pfadfinderverband in Bolivien. Die genaue Mitgliederzahl ist schwer anzugeben, da viele Pfadfinder keinen Beitrag bezahlen können und somit auch nicht gemeldet sind. Trotzdem arbeiten sie in der ASB mit. Die meisten Stämme sind in den Städten angesiedelt, da auf dem Land die Infrastruktur sehr schlecht ist und dies die Arbeit erschwert. Traditionell kommt eine Großzahl der Mitglieder der ASB und ganz besonders der Teil der Mitglieder in leitenden Funktionen aus der Mittel- bzw. Oberschicht. Die ASB ist ein koedukativer Verband und konfessionell nicht gebunden. Die Trupps setzen sich meist aus Schülerinnen und Schülern einer Schule zusammen. Die sozialen Unterschiede bestehen damit weniger innerhalb der Trupps, sondern mehr zwischen den Trupps verschiedener Stadtviertel.

In der normalen Gruppenarbeit kommt das traditionelle Pfadfindertum stark zum Tragen, das sich in Naturverbundenheit und Lagerbautechniken widerspiegelt. Einen wichtigen Aspekt ihrer Arbeit sehen die bolivianischen Pfadfinder aber auch im sozialen Engagement für ihre Gesellschaft. So beteiligen sich regelmäßig ASB-Gruppen an der Kampagne »Clean up the World« des Weltverbandes. Eine weitere interessante und wichtige Aktion ist die Kampagne »Salvemos vidas« (Lasst uns Leben retten). Dabei suchen die Pfadfinder, vom Wölfling bis zum Leiter, Familien in den armen Stadtvierteln auf und informieren, mit welch einfachen Mitteln Durchfallerkrankungen behandelt werden können. (Durchfallerkrankungen sind immer noch der Hauptgrund für die hohe Kindersterblichkeit in Lateinamerika.) Die Kampagne wird zusammen mit Unicef durchgeführt.

Seit 1964 gibt es Kontakte zwischen der ASB und DPSG. Höhepunkte der Zusammenarbeit waren stets die Jahresaktionen der DPSG, welche zusammen mit der ASB durchgeführt wurden. Die erste gemeinsame Aktion war 1984 »Saatgut für Bolivien«. 1987 folgte dann die Jahresaktion »Viva Cochabamba«, deren finanzielles Ziel es war, ein Gemeinwesenzentrum in Cochabamba zu bauen. Dort sind eine Holz- und eine Metallwerkstatt untergebracht. Diese bezuschussen über den Verkauf ihrer Produkte Ausbildungskurse in den Bereichen Elektrotechnik und Schneiderei, die im Zentrum stattfinden. Darüber hinaus ist im Zentrum eine Bibliothek untergebracht, die den Kindern und Jugendlichen kostenlos zur Verfügung steht. 1999 hat »Movida Bolivia« stattgefunden, bei der das Zentrum für Lehrerausbildungen um- und ausgebaut wurde. Das Zentrum wird heute noch regelmäßig von DPSG-Gruppen als erster Anlaufpunkt in Bolivien besucht. Die bisher letzte gemeinsame Jahresaktion war 2010 »Tenemos derechos – Wir sind Rechthaber«, bei der sich Mitglieder der ASB und der DPSG mit dem Thema Kinderrechte befasst haben. Insbesondere die Jahresaktion »Viva Cochabamba« ist noch vielen Mitgliedern der ASB und DPSG in guter Erinnerung, da daraus auch Partnerschaften auf Diözesan- und Bezirksebene entstanden. Dies macht gerade die Besonderheit dieser Partnerschaft aus: Es ist gelungen, sie auch auf die unteren Ebenen der Verbandes zu transportieren. So hat der Bezirk Würm-Amper mit Potosi, der Diözesanverband Hildesheim eine Partnerschaft mit dem Distrikt La Paz, der Diözesanverband Münster mit dem Distrikt Santa Cruz und der Diözesanverband Trier mit Cochabamba. In Trier gibt es sogar mehrere Stämme, die Direktpartnerschaften mit bolivianischen Stämmen pflegen.

Die Homepage der ASB: www.scoutsdebolivia.org