Lebenswirklichkeit

Feldarbeit Ruanda

Kindern und Jugendlichen weltweit kennen und verstehen lernen

Heutzutage ist es ein leichtes eine E-Mail zu verschicken, die zwei Sekunden später auf dem Bildschirm eines Computers in einem entfernten Land erscheint. Oder anzurufen und eine Runde zu telefonieren - Bangladesh, Sibirien, Bolivien, Ruanda, wenn man nicht gerade ein Funkloch erwischt, ist das kein Problem. Das Internet und die Telekommunikation sind wie Türen zu anderen uns bisher unbekannten Welten. Wir müssen sie nur öffnen und eintreten.

Hinter jeder Tür verbirgt sich eine Wirklichkeit fern von unseren Vorstellungen. Das Leben der Kinder unserer Partnerverbände unterscheidet sich beispielsweise sehr von dem, was wir kennen:

  • Auf einer Fläche ein Drittel so groß wie Deutschland leben im Benin 60 verschiedene Volksstämme. Als gemeinsame Sprache lernen Kinder erst in der meist weit entfernten Schule die Amtssprache Französisch, wenn sie überhaupt die Möglichkeit haben zur Schule zu gehen. Besonders arme Familien gaben früher ihre Kinder zu reicheren Verwandten, wo sie arbeiten konnten und als Gegenleistung versorgt wurden. Daraus hat sich eine Form von Kinderhandel entwickelt, durch den ca. 200.000 Kinder verschleppt wurden, die nun in sklavenartigen Verhältnissen gezwungen werden, auf Plantagen, als Hausmädchen oder in anderen Bereichen zu arbeiten.
  • In Bolivien stellen Kinder unter 15 Jahren einen Bevölkerungsanteil von ungefähr 40% dar, das sind fast drei Mal so viele Kinder wie in Deutschland (ca. 15%). Häufig kommen arme Familien mit ihren Kindern in die Städte, um Arbeit zu suchen. Der achtjährigen Schulpflicht können nur knapp die Hälfte nachkommen, da viele Kinder von ihren Eltern zum Geld verdienen geschickt werden. Mit Schuhe putzen oder Reifen flicken müssen sie sich zu geringsten Löhnen auf der Straße durchschlagen, teilweise sogar auf sich selbst gestellt. Abwertend werden die Straßenkinder Polillas, das heißt "Motten", genannt. Auf dem Land gibt es Kinder, die in Minen arbeiten müssen. Weil sie noch klein und wendig sind, können sie tiefer in die engen, ungesicherten Stollen krabbeln, um Erz abzubauen. Offiziell ist Kinderarbeit in Bolivien verboten, jedoch arbeitet jedes 10. Kind im Alter von zehn bis 14 Jahren, um seine Familie zu unterstützen.
  • Für Kinder in Ruanda ist es nicht einmal selbstverständlich, eine Familie zu haben. 1994 haben viele Kinder ihre Eltern im Völkermord verloren; auf 600 000 wird die Anzahl der Waisenkinder offiziell geschätzt. Entweder sie sind nun für ihre Geschwister verantwortlich und müssen sich und ihre Geschwister versorgen, weswegen 90% nicht die Schule besuchen können, oder sie gehören zu denen, die als Pflegekind von Verwandten aufgenommen wurden, wie es jede dritte ruandische Familie getan hat. Trotz der Erinnerungen an die Vergangenheit ist der Alltag zurückgekehrt: Von weit entfernten Brunnen Wasser holen gehen, stundenlang auf Feuer kochen, mit der Hand waschen - und überall helfen die Kinder mit, wenn sie nicht sogar selbst dafür verantwortlich sind.

Informationen wie diese sind uns meistens nicht neu. Verdächtig leicht haben wir die Möglichkeit mit der Fremde - den Fremden - in Kontakt zu kommen; jedoch bedeutet eine Berührung nicht, sich schon die Hand gegeben zu haben. Dazu gilt es unsere Möglichkeiten zu nutzen, um fremde Kulturen, neue Lebensweisen und andere Menschen kennen zu lernen, zu erleben und dadurch ein Verständnis füreinander zu entwickeln.

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