Formen des Glaubens

Kategorien Impulse

„Pfadfinderische Gruppen entwickeln eine besondere Kultur, einen unverwechselbaren Stil. Ihre Ideen und Absichten werden sichtbar in Zeichen, Formen und Regeln.“

(Ordnung der DPSG)

Was meint das?

 

"Gebet und Gemeinschaft mit Gott sollen zu einer Lebensgewohnheit werden, anstatt als Formalität für festgesetzte Gelegenheiten gespreizter Phrasen reserviert zu sein, die der Junge nur bis zu einem bestimmten Grade versteht."

(Lord Baden-Powell)

 

Jeder Inhalt braucht auch eine Form. So braucht auch der Glaube Formen, in denen er gelebt, geteilt, gefeiert und weitergegeben werden kann.

Das Christentum gehört zu den Buchreligionen. Aus der ursprünglich mündlich überlieferten Botschaft des Judentums und des frühen Christentums entstand die Bibel als die niedergelegte Offenbarung. Sie stand im Mittelpunkt des jüdischen Gottesdienstes und ist auch für uns Christen Quelle und Mittelpunkt. Die Beschäftigung mit ihr und der in ihr enthaltenen Botschaft ist beständige Aufgabe und Herausforderung für jeden Christen.

Bereits die ersten Christen trafen sich zu gottesdienstlichen Versammlungen. Sind diese vor allem Orte des Austauschs über den Glauben und zumeist angelehnt an jüdische Formen, entwickeln sich bereits im 2. Jahrhundert eigene christliche Gottesdienstformen. Neben dem Hören auf das Wort Gottes sind das Gebet und die Feier der Eucharistie zentrale Elemente.

Zum Hören auf die Worte der Bibel des Alten und des Neuen Testaments trat auch die Auslegung der Worte und die Deutung in die jeweilige Zeit hinein, die Predigt. In ihr und im Austausch der Gemeinde bekommen die überlieferten Worte eine Aktualität für den eigenen Alltag.

Im Gebet wenden sich die Einzelnen wie die Gemeinde an Gott. Sie tragen Dank und Bitte, Lobpreis und Klage vor Gott. Im Beten kommen sie dabei nicht nur Gott näher - sondern auch sich selber. Denn im Gebet wird vor allem und zuerst eine Beziehung aufgebaut - zwischen dem Betenden und Gott. Gebet ist Gespräch - mit und ohne Worte. Ein Gespräch, in dem es nicht zuerst darum geht, Gott etwas zu sagen, ihn an etwas zu erinnern - sondern dass wir uns an Gott erinnern, dass er einen Raum bekommt in unseren Gedanken, in unserem Tun. "Beten ist das Atmen der Seele" - so wichtig das Atmen für den Körper des Menschen ist, so wichtig ist das Gebet für sein geistliches Leben.

Beten kann dabei sehr verschiedene Formen haben. Im Schweigen und in der stillen Sammlung, im Hören und im Sprechen, in vorgefertigten Texten und mit eigenen Worten, allein und in Gemeinschaft, in Stoßgebeten und ritualisierten Feiern - alles das ist Gebet! Tanzen und Singen – auch das können Formen des Gebetes sein.
Beten ist dabei eines nicht: ein Automat, in den das Gebet geworfen wird und die Erhörung herauskommt. Beten bedeutet, sich Gott anzuvertrauen. Und darauf zu bauen, dass er für uns sorgt ...!

Als "Quelle und Höhepunkt" des Glaubens bezeichnet das II. Vatikanische Konzil die Feier der Eucharistie. Neben dem Wortgottesdienst und dem gemeinsamen Gebet feiert die Gemeinde das, was Jesus am Abend vor seinem Tod mit seinen Jüngern gefeiert hat. Er feierte mit ihnen das Pessach-Mahl zum Gedenken an den Auszug Isräls aus Ägypten. Dabei deutete er diese Feier auf sich und bezog das Brechen des Brotes und das Trinken aus dem gemeinsamen Kelch auf seinen Tod am Kreuz und seine Hingabe für die Menschen. Und er forderte die Jünger auf: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!"

Diese Worte treffen in die Mitte der Eucharistie. Sie ist nicht nur eine Erinnerung oder ein Nachspielen alter Szenen. Das, was beim Abendmahl in Jerusalem geschah, wird immer neu Gegenwart. Jesus selbst, das Mahl, der Bund, Tod und Auferstehung werden gegenwärtig in der Feier der Eucharistie. Dabei wird deutlich: nicht wir sind "Macher" dieser Liturgie: wir sind Eingeladene an seinen Tisch.

Neben der Eucharistie sind auch die anderen Sakramente mehr als Symbole oder rituelle Handlungen oder gar magische Formeln. Sie sind Orte des Handelns Gottes in unserer Zeit. In ihnen wird die Nähe Gottes zum Menschen besonders präsent.

Die Sakramente begleiten dabei wichtige Punkte im Leben eines Menschen:

  • die Taufe steht heute zumeist am Beginn des Lebens, lange war sie der Beginn des Lebens aus dem Glauben. Sie schenkt ein neues Leben aus dem Heiligen Geist, reinigt von den Sünden und nimmt die Getauften auf in die Gemeinschaft der Kirche; 
  • die Firmung vermittelt dem, der sich zumeist im Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter firmen läßt, den Heiligen Geist. Der Keim, der bereits in der Taufe grundgelegt war, soll zur vollen Entfaltung kommen und dem Gefirmten Kraft und Mut geben; 
  • die Eucharistie vergegenwärtigt Jesu Tod und Sterben im Heute. Die Feier der Erstkommunion ist insofern "nur" die Feier der ersten Teilnahme an diesem Sakrament; 
  • die Beichte ist das Sakrament, in dem Gott Sünden vergibt. Wer zu seinen Fehlern steht, sie bekennt und in Reue einen neuen Weg gehen will, dem sagt Gott die Vergebung zu; 
  • die Krankensalbung soll dem schwer Kranken Stärkung und Ermutigung sein. Sie stellt eine Verbindung her zum Leiden Christi. Gemeinsam beten die Versammelten für die Genesung des Kranken; 
  • die Ehe verbindet Mann und Frau zu einer lebenslangen Gemeinschaft. In ihr erfüllt sich der Auftrag Gottes bei der Erschaffung des Menschen: „Seid fruchtbar und mehret euch!“ und die Verheißung: „Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die beiden werden eins sein!“; 
  • die Weihe nimmt Menschen (in der römisch-katholischen Kirche nur Männer) in den besonderen Dienst Gottes und überträgt ihnen als Bischof, Priester oder Diakon besondere Aufgaben in der Kirche.

Alle diese Formen des Glaubens gehören in den Bereich der "Liturgie". Neben ihr gehören zwei weitere Bereiche zu den Grundvollzügen von Kirche: 

  • im "Zeugnis geben", der "Martyria", wird der Glaube bekannt und weitergegeben. Der Auftrag Jesu: Geht hin zu allen Menschen und verkündet das Evangelium! wird erfüllt. Religionsunterricht und Katechese gehören ebenso in diesen Bereich wie die Ansprache von Menschen, die noch nicht von Gott und/oder Jesus gehört haben ("Mission"). Wichtigstes Zeugnis aber ist sicherlich das Zeugnis des Lebens der Christen und das ganz persönliche Sprechen über Gott. 
  • im "Dienst am Nächsten", der "Diakonia", wird aus dem Glauben die Tat, setzen die Christen die Sorge Gottes um jeden Menschen in handgreifliches Tun um. 

Gleichsam gebündelt und getragen werden diese drei Vollzüge von Kirche von der Gemeinschaft, der "Koinonia". Denn christliches Leben aus dem Glauben ist immer gemeinschaftliches Leben. Selbst der Einsiedler in der Wüste weiß sich getragen und eingebunden in die Gemeinschaft der Betenden ...

Für die DPSG sind alle diese Formen des Glaubens wichtig. Sie weiß sich der langen und reichen Tradition der Kirche verbunden - und sucht zugleich nach neuen und eigenen Formen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene geben darin ihrem eigenen Glauben Form und Gestalt. Auch wenn es keine "pfadfinderische Spiritualität" im Sinne von eigenen Glaubensinhalten gibt, so gibt es sehr wohl "pfadfinderische Formen", um den Glauben zum Ausdruck zu bringen. In Morgen- oder Abendrunden, beim Versprechen oder am Lagerfeuer – wir versuchen, religiöse Inhalte in unseren Formen zum Ausdruck zu bringen. Dies überzeugend und selbstbewusst zu tun, ist sicher eine der großen Herausforderungen zur Weitergabe des Glaubens. 

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