Gottesdienstbaustein zur Jahresaktion 2015

Kategorien Spiritualität Gottesdienste

Beschreibung

Mit diesen Gottesdienstbausteinen könnt ihr einen Gottesdienst, aber auch eine Besinnung oder eine Morgenrunde zum Thema „Gast››Freundschaft“ gestalten. Unter jedem Abschnitt findet ihr Vorschläge, wie ihr den jeweiligen Punkt gestalten könntet. Daraus könnt ihr wählen und verwenden, was euch gefällt, und selbstverständlich hinzufügen oder verändern, was ihr für nützlich erachtet. Lasst eurer Kreativität freien Lauf!

Liedvorschläge zum Beginn 

  •  Wo zwei oder drei in meinem Namen
  •  Komm herein und nimm dir Zeit 

Begrüßung

Alternative 1

Welche Gastfreundschaft steht Fremden zu, die in ein Land flüchten und um Asyl ansuchen? „[…] Der heutige Sprachgebrauch des Wortes Gastfreundschaft meint die vorübergehende Aufnahme, Bewirtung und / oder Beherbergung, für Fremde genauso wie für Angehörige der jeweiligen eigenen Gruppe. […] Gastfreundschaft [erfolgt] ehrlich, herzlich, großzügig und zumeist wechselseitig […].“

Gastfreundschaft ermöglicht Leben

„[…] Das heißt: Gastfreundschaft erfüllt drei Bedingungen, die zum Leben nötig sind: Gäste bleiben grundsätzlich am Leben (werden nicht getötet); ihnen wird materiell beim Überleben geholfen (mit Nahrung, Unterkunft und Schutz); und Gastfreundschaft […] trägt zum Zusammenleben bei. […] Leben ermöglichen heißt hier also mehr, als Menschen nur am Leben lassen, es heißt auch: sie nähren, stärken, stützen, begleiten, ihnen Kenntnisse vermitteln und Freude bereiten […] Welche Regeln für Gäste gelten, hängt von der jeweiligen Situation und der jeweiligen Kultur ab.

Dahinter verbirgt sich jedoch viel mehr. Nämlich Geschichten von Menschen, die selten Glück erfahren durften. Geschichten, die von Trauer und Schicksal erzählen. Geschichten, die gehört werden wollen. Wir können sie hören. Und ihnen Gehör verschaffen: Welche Gastfreunde wollen wir sein? Welche Gastfreundschaft wollen wir vorleben?“

(aus: Christian Kayed, Gastfreundschaft und Philosophie unter:
http://www.storyguide.at/Gastfreundschaft-Artikel.pdf
http://www.storyguide.at/Gastfreundschaft-Artikel.pdf)

Alternative 2

„Es kann sein, dass Gastfreundschaft auf Gegenseitigkeit beruht oder ohne Gegenleistung geleistet wird. Sie kann für eine bestimmte Gruppe gelten oder für alle Menschen. Gastfreundschaft kann eine Pflicht sein – wie etwa bei den Beduinen in der Wüste, wo es ums Überleben geht – oder freiwillig geschehen. Gastfreundschaft kann zeitlich begrenzt oder unbegrenzt sein. In vielen Kulturen werden Gäste für einen bestimmten Zeitraum aufgenommen, häufig sind es drei Tage, oder aber Gäste können so lange bleiben wie sie wollen oder müssen, zum Beispiel wenn sie geschützt werde müssen und Asyl suchen. […]“

 

Besinnung

Asylsuche – ein Text zur Besinnung

Aufbruch
von Zuhause
in die Fremde
für ein besseres Leben
Träume!

Flucht
vor Gewalt
aus reiner Angst
das Leben sucht sich
Zuflucht!

Flucht
vor Hunger
und der Not
ich hoffe auf Zukunft
Hoffnung!

Schleuser
verdienen Geld
an den Hoffnungen
der mittlerweile Hoffnungslosen gewordenen
Ausbeutung!

Angekommen
sind sie
im fremden Land
werden hier Asyl-verwaltet
Gastfreundschaft?
(Thomas Hoffmann-Broy)

 

Kyrie

Im Kyrie-Gebet heißen wir Gott in unserer Mitte willkommen. Meistens wird es verbunden mit einer Bitte um Vergebung.

Christus, Freund der Verfolgten,
du sprengst unsere engen Grenzen.
– Herr, erbarme dich.
Christus, Freund der Verlierer,
du sprengst unsere Teilnahmslosigkeit.
– Christus, erbarme dich.
Christus, Freund der Menschen,
du sprengst unseren Kleingeist.
– Herr, erbarme dich.

 

Lesungen / Texte / Evangelium

Wölflinge & Jungpfadfinder:
Lukas 10,25 –10,37 (Der barmherzige Samariter)

Pfadfinder und Rover:
Matthäus, 25,35 –25,40 („Ich war fremd und obdachlos, …“)

Zum Thema Gastfreundschaft:

Römer 12,13 (Gebot der Gastfreundschaft)
Überlegt zusammen: Für wen sollte dieses Gebot gelten? Nur für Christen?

Hebräerbrief 13, 2 –3

Begegnung mit dem Fremden, der ganz anders ist als ich, mir Gottes Boten begegnen. Deshalb soll ich dem Fremden, der zu mir kommt, aufnahmebereit, neugierig, wohlwollend und respektvoll begegnen. Überlegt zusammen: Für wen sollte dieses Gebot gelten? Nur für Christen?

Weitere Quellen

Gedanken zur Flucht aus Ägypten („Übersteiger – eigene Grenzen sprengen“) und der Freude über die Bereicherung durch das Fremde („Jubel – gemeinsame Freude vor Gott“) findet ihr hier:
 www.ruhr-uni-bochum.de/at/mam/download/gastfreundschaft.pdf
 um Umgang von Christen mit Fremden, findet ihr hier eine anschauliche Geschichte und die dazugehörige Sicht der Bibel: www.ojc.de/salzkorn/2009/interkulturelle-kompetenz/fremde-freundegastfreundschaft-bibel/

 

Fragen zur Annäherung an das Thema:

  •  Wo hab ich selbst schon einmal Gastfreundschaft erlebt? Auf dem Haik, im Lager, auf Reisen? Oder wo hätte ich Gastfreundschaft gebraucht und keine erhalten? Wie war das für mich? 
  •  Stell dir vor: Es klingelt und ein Fremder steht vor der Tür und möchte bei dir übernachten. Wie reagierst du? 
  •  Du siehst zwei Personen am Straßenrand über eine Karte gebeugt stehen. Was denkst du, wenn du das siehst? 
  •  Ein Mensch spricht dich in einer dir unbekannten Sprache an. Was machst du? y Welche Dinge sind mir so wichtig, dass ich sie nicht mit anderen teilen möchte? Warum? 
  • Was würde ich ohne zu zögern einem Fremden schenken? 
  • Was bedeutet für mich „Heimat“? 
  • Was brauche ich, um mich „Zuhause“ zu fühlen? 
  • Habe ich mich in meinem Leben mal verloren und allein gelassen gefühlt? Wann war das? 

(Thomas Hoffmann-Broy)

 

Liedvorschläge nach der Deutung 

  •  Wenn das Brot, das wir teilen 
  •  Liebe ist nicht nur ein Wort

 

Eucharistiefeier

In der Eucharistiefeier können wir Gastfreundschaft hautnah erleben. Wir sind eingeladen Gast zu sein am Abendmahlstisch, so wie Jesus und seine Jünger es erlebt haben. Wir werden Teil dieser Gemeinschaft. Und wir kennen das von Zuhause: eine Tischgemeinschaft mit Gästen ist besonders schön! In unserer Religion ist also die Idee der Gastfreundschaft grundgelegt. Vom Gebot der Nächstenliebe ganz zu schweigen!

 

Segen / Abschlusstext
Heimat ist immer, wo wir Freunde finden, wo Jemand auf mich wartet, da ist zu Hause. Und Glück, wenn jemand nach all seinen Wegen, ein Licht für mich ins dunkle Fenster stellt.

Reinhard Mey (Quelle s. unten) 

 

Alternative 1

Wenn einer zu mir kommt und von mir Hilfe fordert,dann ist es nicht an mir, ihm mit frommen Mund zu empfehlen:„Hab Vertrauen und wirf deine Not auf Gott“, sondern zu handeln, als wäre da kein Gott, sondern auf der ganzen Welt nur einer, der diesem Menschen helfen kann, du allein.

Martin Buber
(Zitiert nach Wegzeichen. Ein Gebetbuch für den Weg. Neuss 2005, S. 94ff.) 

 

Alternative 2

Guter Gott, wir haben ein Zuhause. Wir haben Menschen, mit denen wir gerne zusammen sind.Freunde, Familie, unsere Pfadfindergruppe. Dafür sagen wir dir danke!

Wir denken aber auch an die Menschen
die ihr Zuhause verlassen mussten
wegen Hunger, Krieg, Gewalt und Not.
Die auf der Suche sind nach einer neuen Heimat.
Segne alle Menschen, die ihnen Gutes tun.
Segne alle, die freundlich zu ihnen sind.
Segne alle, die ihnen helfen, ein Leben in Frieden und Glück zu

finden.
 Amen

(nach einem Gebet von Guido Hügen OSB, Wegzeichen. Ein Gebetbuch für den Weg, Neuss 2005, S. 97)

Alternative 3

Nur der Beschenkte
kann ein schenkender Mensch sein,
nur der Getröstete
ein tröstender,
nur der Gesegnete
ein segnender.
Und was hätte unsere Welt nötiger
als schenkende, tröstende, segnende Menschen

(aus: Antje S. Naegli, Du hast mein Dunkel geteilt. Gebete an unerträglichen Tagen, Freiburg 2001, S. 110)

 

Lieder zum Schluss 

  • Als ich hungrig war 

(Eckert/Burckhardt)

Zusammengestellt von
Thomas Hoffmann-Broy, Jonas Kämmerling und Saskia Scholten

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