„Wenigstens etwas“ oder „totaler Fehlschlag“: Gemischtes Fazit von der 19. Weltklimakonferenz

25.11.2013: Jörn Becker aus dem DAK Ökologie Paderborn war eine Woche lang Teil der Delegation der Weltpfadfinderbewegung (WOSM) bei der 19. UN-Klimakonferenz (COP19) in Warschau. Auch von zuhause aus beobachtete er den Prozess weiter und zieht nun ein abschließendes Fazit.

WOSM-Delegation
WOSM-Delegation (v.l.n.r.): Jörn, Ana, Uzair, Grecia. In der Mitte: mit Christiana Figueres, Generalsekretärin des UN-Klimasekretariats. | Foto: Jörn Becker.

Hallo zusammen,

der Klimagipfel ist nun zu Ende gegangen. In diesem Abschlussbericht möchte ich euch unser Fazit und drei Punkte für die Zukunft näher bringen.

Die Besetzung der Delegation der Weltpfadfinderbewegung (WOSM) hat in der zweiten Woche gewechselt. Da das UN-Klimasekretariat die Anzahl der Plätze in den Delegationen vieler zivilgesellschaftlicher Organisationen gekürzt hat, war das für uns eine Lösung, um möglichst vielen Interessierten die Arbeit in der Delegation zu ermöglichen. Nhattan aus Kanada, Grecia aus Mexiko, die schon in der ersten Woche dabei waren, bildeten gemeinsam mit Martin aus Frankreich, Sofia aus Portugal und Uzair Kamal als Angestelltem des Weltbüros die WOSM-Delegation in der 2. Woche. Die zweite Hälfte der Weltklimakonferenz wird meist als die wichtigere angesehen, da dann nicht nur die Delegationen der Mitgliedsstaaten diskutieren, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter der Regierungen. Für Deutschland hat zum Beispiel der geschäftsführende Umweltminister Peter Altmaier einen Teil der Verhandlungen geführt.

Paukenschlag in der 2. Woche: der Walk-Out

Walk Out der Nichtregierungsorganisationen
Walk Out der Nichtregierungsorganisationen | Foto: UNFCCC

Sicher habt ihr auch im Fernsehen oder der Zeitung mitbekommen, dass viele Nichtregierungsorganisationen am letzten Donnerstag die Verhandlungen in einem langen Demonstrationszug verlassen haben. „Walk out“ wurde diese Aktion genannt. Greenpeace, Misereor, Germanwatch und viele andere wollten damit einen „symbolischen Akzent gegen den unzureichenden politischen Willen entscheidender Regierungen beim UN-Klimagipfel in Warschau“ setzen. Sie kritisieren vor allem, dass reiche Industrieländer nicht bereit sind, ihre Klimaschutzziele aus vergangenen Verhandlungsschritten einzuhalten, sondern sie – wie Japan oder Australien – sogar reduziert haben. China und Indien verweisen auf die wenig ambinionierten Anstrengungen der Industrieländer und versuchen, möglichst ohne konkrete CO2-Minderungsziele weiter zu kommen. Auch die EU habe ihre Klimaschutzambition nicht gesteigert – wenig überraschend, da die Konferenz in Polen stattfand, einem Land, das zu 90% seiner Energie aus Kohle gewinnt. (Ein Videobericht der ARD fasst das Ereignis gut zusammen www.tagesschau.de/ausland/un-klimagipfel100.html)

Pfadfinderinnen und Pfadfinder der WOSM-Delegation haben sich diesem Protest nicht angeschlossen. Obwohl wir die Einschätzung teilen, dass die Industriestaaten viel zu wenig auf die berechtigten Forderungen der ärmsten Länder eingegangen sind, befürchteten die Delegierten durch die Teilnahme an dieser Aktion die Tür für die zukünftige Arbeit der Weltpfadfinderorganisation zuzuschlagen. Politische Aktionen sind nämlich bei der Weltklimakonferenz nur sehr eingeschränkt erlaubt und das Mandat der Delegation erlaubt keine Aktionen, bei denen konkrete Staaten (die ja auch Pfadfinderverbände haben) an den Pranger gestellt werden. Die fünf Delegierten haben daher von innen den Verhandlungsprozess weiter begleitet.

Was hätte das Ziel dieses Klimagipfels sein sollen?

Pausen
Sogar mit “Mauschelpausen” wurde um Einigung gerungen | Foto: adopt a negotiator

Der 19. UN-Klimagipfel soll den Auftakt für intensivierte Verhandlungen zu einem neuen Klimaabkommen (wie das Kyoto-Protokoll) sein, das 2015 in Paris beschlossen werden soll. Folgende Fragestellungen müssen bis dahin diskutiert werden:

 

  • Wie werden die 100 Milliarden Dollar für den Klimafonds (GCF) gesammelt und welche Länder tragen wie viel dazu bei? Aus diesem Fonds sollen Maßnahmen in besonders armen Ländern finanziert werden, die den Klimawandel begrenzen (mitigation), die Folgen zu mindern (adaption), und Ausgleichszahlungen für bereits erlittenen Schaden ermöglichen.
  • Es muss ein Fahrplan für die nächsten zwei Jahre erstellt werden, um ein Abkommen zu entwerfen, welches das Kyoto-Protokoll ersetzt.
  • Da viele Staaten schon angedeutet haben, dass sie keinem Abkommen mit ähnlicher Tragweite wie dem Kyoto-Protokoll mehr zustimmen möchten, muss geklärt werden, welchen Rahmen das neue globale Klimaschutzabkommen bekommen soll. Eine besonders kritisch diskutierte Frage ist: Wer legt auf welcher Basis CO2-Minderungsziele für die Einzelstaaten fest? Und: sind diese freiwillig oder werden sie von der UN vorgegeben?
  • Weitere Fragen betreffen Maßnahmen, um die Länder zu unterstützen, die ihre Emissionsziele nicht erreichen, oder ein Technologie-, Kapazitäts- und Wissenstransfer zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern, um die Entwicklungsländer in die Lage zu versetzen, CO2- Minderungsmaßnahmen einzuleiten und Anpassungsmaßnahmen für die bereits stattfindenden Auswirkungen des Klimawandels umzusetzen. Das können z.B. Bewässerungssysteme für von starken Dürren betroffene Regionen sein, oder Dämme gegen Überschwemmungen, Anpassung des Saatgutes an neue Witterungsverhältnisse.

 

 

 

Was ist das Ergebnis dieses Klimagipfels?

Verhandlungen
Die letzten Verhandlungstage waren sehr anstrengend. Mittendrin: Nhattan aus der WOSM-Delegation | Foto: Adopt a negotiator

Eigentlich wäre der Klimagipfel am Freitag zu Ende gewesen, ist aber verlängert worden. Viele Nichtregierungsorganisationen halten die 19. Klimakonferenz für eine „vertane Möglichkeit“. Dennoch gibt es einige Hoffnungsschimmer durch Fortschritte in den Bereichen Schutz der Wälder, Finanzierung von Anpassungsaktionen und beim Entschädigungs-Mechanismus für Verluste und Schäden, die durch Folgen des Klimawandels verursacht wurden.

Leider haben führende Industrienationen wie Japan, Australien und Kanada weitere Fortschritte verhindert, da sie zum Beispiel bezugnehmend auf das Kyoto-Protokoll ihre Reduktionsziele verringert haben. Die destruktive Haltung einiger Industrienationen führte auch zu einer Blockadehaltung von Schwellenländern wie Brasilien, Südafrika, Indien und China. Es gibt auch keinen klaren Plan bezüglich der weiteren Schritte bis 2015 und es gab auch keine Einigung bei dem oben erwähnten Klimafinanzpakets, welches ab 2020 in Kraft treten soll. Anstelle klarer Bekenntnisse, dieses Geld aus dem öffentlichen Haushalt der Länder zu nehmen, zeigten die Regierungen auf den „Privaten Sektor“, also Unternehmen. Christian Teriete, Kommunikations-Chef der Organisation „Global Call for Climate Action“ ist überzeugt: „Die Welt befindet nach dem Ende dieses Klimagipfels immer noch auf dem Pfad, der zu einer Erwärmung von 3,7°C.“

Was können wir tun und warum macht es Sinn?

Aktiv werden
Pfadfinderinnen und Pfadfinder können eine Menge tun, um das Klima zu schützen | Foto: Nhattan Nguyen

Gerade, da dieser Klimagipfel nicht die entscheidenden Impulse aufgezeigt hat, die die Welt erhofft hat, müssen wir uns als junge Generation aktiv einsetzen. Denn wir, ja wir!, sind die kommende Generation, die in einer Welt leben muss, die vom Klimawandel geprägt werden wird. In der DPSG sind wir in Deutschland ein großer Jugendverband mit 95.000 Mitgliedern und gleichzeitig ein Teil der Pfadfinderbewegung mit über 40 Mitgliedern weltweit. Wenn wir uns also für unsere Belange einsetzen, dann hört man uns zu und so können wir auch Einfluss nehmen. 

Später wird an dieser Stelle noch ein Video vom Interview mit der Leiterin der deutschen Delegation, Nicole Wilke, erscheinen. Auch sie bestärkt uns darin, den Entscheidungsträgerinnen und -trägern immer wieder die Perspektive junger Menschen mitzuteilen. Nur dann können wir diese überzeugen, bei ihren Entscheidungen auch unsere Belange mit einzubeziehen.

Unsere Erfahrungen auf der 19. Weltklimakonferenz werden wir nun gemeinsam in einem Bericht an das World Scout Comittee und andere Gremien zusammenfassen. Aber auf jeden Fall können wir als Pfadfinderinnen und Pfadfinder durch einen nachhaltigen Lebensstil jeden Tag etwas tun. Durch unser Vorbild können wir sowohl auf unsere Familien und Freunde, als auch Entscheidungsträgerinnen und –träger Einfluss nehmen. Dabei wünsche ich uns allen ein gutes Gelingen!

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