Trauer um Guido und Dennis – 25. Jahrestag des Tauziehunglücks in Westernohe

04.06.2020: Der 4. Juni 1995 ist ein schwarzer Tag in der Geschichte der DPSG. An diesem Tag kamen zwei Kinder aus unserem Verband ums Leben, bei dem Versuch, mit ihrem Bezirk einen Weltrekord im Tauziehen aufzustellen. Deswegen denken wir heute, 25 Jahre nach diesem Unglück, an Guido und Dennis, zwei Wölflinge aus dem Stamm Seepfadfinder Koblenz-Güls, und an alle, die bei diesem Unglück körperlich und seelisch verletzt wurden. Es ist ein Unglück, das bei allen Beteiligten und im ganzen Verband Spuren hinterlassen hat.

Auf einem großen Pfingstlager im Bundeszentrum Westernohe wollten an diesem Tag etwa 650 Kinder und Jugendliche vor allem aus dem Bezirk Koblenz ins Guinness-Buch der Rekorde kommen. An einem 500-Meter langen Seil wollten sie ihre Kräfte messen, als es riss und dadurch die beiden Jungen tödlich traf und viele andere Menschen verletzte.

Wir sind, besonders am heutigen Tag, in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien. Das Gedenken an sie und dieses Unglück wird immer einen Platz in unserem Verbandsleben einnehmen. Guido und Dennis werden in der DPSG nie vergessen sein.

Franz Böhler, Kurat des betroffenen Bezirks Koblenz, hat anlässlich dieses Jahrestages einen Gedenktext verfasst, den wir gerne mit euch teilen wollen. Auch bitten wir darum, dass ihr mit uns gemeinsam eine Schweigeminute abhaltet. Diese wird am Samstag – im Rahmen eines kleinen Gottesdienstes in Westernohe – um 15 Uhr stattfinden.

Wir gedenken des Pfingstlagers vor 25 Jahren, das - statt in einem fröhlichen Abschied - sein Ende in einem schrecklichen Unglück fand. Jeder der sich der Erinnerung stellt hat dabei seine eigenen Gedanken und Gefühle: Trauer, Schmerz, Erschrecken oder Angst, die Erinnerung an anstrengende Wochen und Monate der juristischen Aufarbeitung, das Gefühl von Hilflosigkeit und Allein-gelassen-sein, die Dankbarkeit, unbeschadet davon gekommen zu sein oder die Erinnerung an ein Versagen oder das Bedürfnis, etwas tun zu müssen und gleichzeitig zur Tatenlosigkeit verdammt zu sein.

Viele der damals Betroffenen sind noch heute den Pfadfindern verbunden. Je nachdem, wie er oder sie den Tag erlebt hat, von dem Unglück hörte oder mit der Aufarbeitung konfrontiert war: der Tag hat bei sehr Vielen eine unterschiedlich intensive Spur im Leben und der Arbeit hinterlassen. Für Viele war und ist es ein zutiefst einschneidendes Erlebnis.

Auch für die DPSG als Ganzes war und ist es ein Tag von einschneidender Bedeutung.

Deshalb ist das Pfingstfest – besonders in diesem Jahr, in dem sich das Ereignis zum 25. Male jährt - für uns kein Feiertag, sondern ein Tag des Gedenkens. Es war Pfingsten und der Bezirk Koblenz hatte ein großes Lager in Westernohe organisiert. Teil des fröhlichen Lagers sollte ein Tauzieh-Wettbewerb sein. Doch aus dem fröhlichen Lager wurde eine der schwersten Stunden der DPSG. Das Seil riss. Zwei Tote Kinder und über 100 zum Teil schwer verletzte Pfadfinderinnen, Pfadfinder, Leiterinnen und Leiter waren zu betrauern.

Besonders betroffen war der Stamm der Seepfadfinder in Güls. Die zwei toten Kinder, Dennis und Guido, kamen aus ihren Reihen.

Lange fiel es schwer, die richtigen Worte für das Unsagbare zu finden. Wie sollte man sich den Folgen verantwortlich stellen. Besonders der Stamm der Seepfadfinder und hier besonders Günther Müller, genannt „Sonny“, hat sich dieser Verantwortung in besonderer Weise gestellt und sich über die Jahre um das Gedenken und den Gedenkort in Westernohe gekümmert. Auf ihn geht die Initiative zurück, den Gedenkort neu zu gestalten und alle damals betroffenen Institutionen in die Verantwortung zu nehmen.

Die Verantwortung für das Gedenken und den neu gestalteten Gedenkort, teilen sich nun der Stamm Seepfadfinder Güls, der DPSG Bezirk Koblenz, der DPSG Diözesanverband Trier, der DPSG Bundesverband, der Ort Westernohe und das Bundeszentrum der DPSG in Westernohe.

Wir haben als Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus der Tragödie von damals gelernt, aber als Menschen bleiben wir in der Gefahr. Möge unsere Erinnerung an das Geschehen, die toten Kinder und die Gefühle der vielen Verletzten in Blick behalten und uns mahnende Erinnerung zur Wachsamkeit sein.

Möge in uns die Hoffnung wachsen, dass auch das Unverständliche, Unsagbare und Unbegreifliche in Gottes bergenden Händen einen Platz findet.

Noch heute erinnert auf dem Weg zwischen Altenberg und Kirschbaum eine Gedenkstätte an diesen traurigen Tag. Ursprünglich war zum 25-Jahrestag eine Veranstaltung geplant – die aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auf das kommende Jahr verschoben werden muss. Am Samstag, 06.06.2020 wird daher in kleinem Rahmen vor Ort im Bundeszentrum der Verstorbenen gedacht.

Gemeinsam mit einer kleinen Delegation wird an diesem Tag ein neuer Gedenkstein an der Unglückstelle gesegnet, um weiterhin an alle zu erinnern, die damals körperlich und seelisch verletzt wurden und besonders an Guido und Dennis, die bei dem Unglück gestorben sind.

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