Fachbereiche anpassen

Für die Überarbeitung der Fachbereichszuschnitte hat sich die Bundesleitung zunächst mit den Evaluations-Ergebnissen der Bundesfachkonferenzen auseinander gesetzt. Aus den von den Facharbeitskreisen erarbeiteten Ergebnissen wurden vier zentrale Fragen extrahiert, deren Beantwortung für die weitere Entwicklung grundlegend ist. Diese Fragen werden nun aktuell durch die Bundesleitung und in Expertengruppen bearbeitet. Zusätzlich beschäftigten sich die Bundesfachkonferenzen 2015 in einem gemeinsamen Studienteil mit der Frage, welche Arbeitsschwerpunkte sie für ihren jeweiligen Fachbereich in fünf Jahren sehen.

1. Wie wollen wir „Inklusion“ verstehen? Eng oder weit?

Als Pfadfinderinnen und Pfadfinder können wir den Inklusionsbegriff nur in seiner weit gemeinten Definition verstehen, da alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit haben sollten, Pfadfinderin oder Pfadfinder zu werden. Bei genauerer Betrachtung der verbandlichen Aktivitäten fällt auf, dass wir genau diese weite Deutung des Inklusionsbegriffes bereits seit Jahren leben – sei es durch die Arbeit der Behindertenarbeit, der Beschäftigung mit Themen wie (Kinder)-Armut oder ganz aktuell der Finanzierung von Mitgliedschaften für Kinder- und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien im Rahmen der Jahresaktion 2015. Somit könnte es für die Entwicklung der Fachbereiche hinsichtlich der Inklusion schon ausreichend sein, die Begrifflichkeiten zu glätten und die bestehenden Aktivitäten als Gesamtes zu betrachten. Da Inklusion ein klassischer Containerbegriff ist, würden sich somit auch in Zukunft weitere Themen, wie z.B. Genderfragen, hier zuordnen lassen. Ob der Begriff der Inklusion für uns wirklich passend ist und wie wir den Begriff in Zukunft füllen und gestalten wollen, ist eine der Klärungsfragen für das kommende Jahr.

2. Wie grenzt sich die internationale Perspektive der Fachbereiche Internationale Gerechtigkeit und Ökologie von dem Querschnittsthema Internationales ab? Muss es das?

Der Charakter der Internationalität als Querschnittsthema, wird vor allem bei Betrachtung der Fachbereiche Ökologie und Internationale Gerechtigkeit deutlich. Beide Fachbereiche sind in großem Maße international tätig bzw. befassen sich mit Themen mit weltweitem Fokus. Bei inhaltlichen Themen ist die internationale Perspektive nicht strittig, nachvollziehbar notwendig und es ist im Rahmen der Verbandsentwicklung aktuell kein Handlungsbedarf abzusehen. An Bedeutung gewinnt die Frage nach der Abgrenzung beim Thema Partnerschaften. Dies ist in Frage 3 näher erläutert.

3. Wo sind Partnerschaften verortet?

Aktuell finden wir zwei Arten von Partnerschaften. Das sind zum einen die Entwicklungspartnerschaften, die im Bereich Internationale Gerechtigkeit verortet sind und die Partnerschaften im europäischen Umfeld, die dem Bereich Internationales zugeordnet werden. Diese Zweiteilung wird als kritisch betrachtet, da sie die Gefahr einer Klassifizierung in Partnerschaften in erster und zweiter Klasse birgt. Hier soll das Verhältnis zwischen dem Fachbereich Internationale Gerechtigkeit und dem Internationalen näher betrachtet werden. Zur Klärung dieser Frage werden Engagierte aus dem Internationalen und dem Fachbereich Internationale Gerechtigkeit gemeinsam versuchen, die Frage nach der Verortung der Partnerschaften möglichst klar und nachhaltig zu beantworten.

4. Wie können sich die Fragen der Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit voneinander abgrenzen?

Bei Betrachtung der Aktivitäten wurde deutlich, dass die Begriffe Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit sehr eng miteinander verwandt sind und bereits eine verzahnte Arbeit und Abstimmung der Fachbereiche Internationale Gerechtigkeit und Ökologie bei diesen Themen stattfindet. Eine klare Abgrenzung dieser Themen ist mit den aktuellen Portfolios der beiden Fachbereiche kaum möglich. Ein gutes Beispiel hierfür sind der Einsatz für biologisch angebaute und fair gehandelte Waren und Lebensmittel. Hier eine Abgrenzung zwischen den Themen vorzunehmen erscheint als wenig sinnvoll. Man könnte sich die Frage stellen, ob hier nicht auch ein Ansatzpunkt für ein geändertes Fachbereichsmodell wäre.

Um die oben aufgeworfenen Fragen klar beantworten und Doppelungen und Überschneidungen auflösen zu können, werden wir aber wahrscheinlich nicht umhin kommen, Themen zu schärfen, anders zu verteilen oder das jetzige Fachbereichsmodell zur Diskussion zu stellen. Daher ist es wichtig, das Thema Fachbereichszuschnitte sensibel zu behandeln und alle Beteiligten weitest möglich mit einzubeziehen.

Die Evaluation der Fachbereiche, sowie die immer schneller werdenden und weiter reichenden Veränderungen der globalisierten Welt machen deutlich, dass wir als Verband zwingenderweise auf die Veränderungen reagieren müssen um anschlussfähig zu bleiben. Aus den Ergebnissen der Bundesfachkonferenzen 2014 und 2015 und den gesellschaftlichen wie politischen Entwicklungen, möchte die Bundesleitung im kommenden Jahr Vorschläge für Anpassungen der bestehenden Fachbereiche, beziehungsweise neue thematische Zuschnitte erarbeiten. Dabei ginge es nicht darum, Themen zu streichen, sondern die oben aufgeworfenen Fragen und Probleme zu beantworten und die thematischen Verantwortlichkeiten der Fachbereiche zu schärfen und gegebenenfalls neu zu sortieren. Eine Beibehaltung des Status Quo ist als weitere Zukunftsperspektive dabei nicht ausgeschlossen.

Die Fachkonferenzen und Mitglieder des Verbandes sollen im Idealfall bis zur Bundesversammlung 2016 mögliche Varianten diskutieren und sich dazu positionieren können. Die Bundesversammlung 2016 soll sich dann mit möglichst konkreten Beschlussvorlagen befassen.