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Inklusives Wohnen

WG-Küche
Foto: leonrojo | photocase.com

Für jeden Menschen gehören die Ablösung von zu Hause und ein eigenständiges Wohnen im Prozess des Erwachsenwerdens dazu. Dieses Bedürfnis nach Elternunabhängigkeit gilt auch für Menschen, die auf Grund einer Behinderung hohen Unterstützungsbedarf haben. 

Mitte der 1990er Jahre entstanden erste integrative Wohngemeinschaften, in denen Menschen mit und ohne Behinderungserfahrung zusammen leben. Diese Gründungsidee wurde inspiriert durch die spezielle Lebenssituation von Menschen mit Behinderung. Bis zu der Gründung von inklusiven Wohngemeinschaften gab es für Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf oder mit einer „rund um die Uhr Betreuung“ hauptsächlich stationäre Angebote, wie „Behindertenheime“. Solche Heime werden Menschen mit Behinderung aber an vielen Stellen nicht gerecht. Vergleichbar mit einem Pflege- oder Altersheim, sind die Bewohner dort größtenteils unter sich. Außer Besuchen und Ausflügen ist der Kontakt zur Umwelt und dem „normalen Leben“ sehr gering. Diese spezielle Unterbringungsform wird auch Segregation genannt und ist das Gegenteil von Inklusion.

Die inklusive WG

Auch Menschen mit schwersten oder mehrfachen Behinderungen können ihr Leben inklusiv gestalten, wenn entsprechende unterstützende Rahmenbedingungen geschaffen werden, in denen sie weitestgehend selbstständig leben können. Davon ausgehend wurde eine ambulante Alternative erarbeitet, die nicht nur auf Menschen mit Behinderungen ausgerichtet ist, sondern Menschen mit und ohne Behinderung eine gemeinsame Wohnform bietet. Der größte Vorteil für die Bewohner solcher WGs ist, dass sie somit am echten Leben teilhaben können und nicht weiter am Rand der Gesellschaft „versteckt“ werden. Solche inklusiven WGs sind heutzutage in fast jeder Stadt zu finden. Da die WGs gewöhnlich in den Innenstädten zu finden sind, bestehen auch viel mehr Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe. Einkäufe können selbst erledigt, Freizeit im naheliegenden Café verbracht und abends auch mal spontan ins Kino gegangen werden. 

Exklusiv inklusiv Wohnen

Ein Beispiel für eine inklusive WG könnt ihr euch in dieser 14-minütigen Dokumentation ansehen. Durch den Film bekommt ihr einen guten Einblick in das Leben einer inklusiv gestalteten Wohngemeinschaft. Hier wohnen vier Menschen mit und vier Menschen ohne Behinderung zusammen. Sie teilen nicht nur den Alltag, sondern sind eine Gemeinschaft, die auch in der Freizeit viel miteinander unternimmt.

Eine WG wie jede andere

Bei einer inklusiven WG leben durchschnittlich vier Personen mit und ohne Behinderung zusammen, wobei der Unterstützungsbedarf unterschiedlich hoch sein kann. Die Anzahl der Bewohner hängt natürlich auch von der Größe der Wohnung ab. Alle Mitbewohner besitzen ihr eigenes Zimmer als Rückzugsmöglichkeit. Geteilt werden Gemeinschaftsräume wie Küche, Bad und Wohnzimmer. Wie in einer ganz normalen WG, werden hier alle anfallenden Aufgaben unter den Bewohnern verteilt und zusammen erledigt. 

Unterstützung im Alltag

Damit die trotzdem meist notwendigen Unterstützungen gewährleistet sind, wird die WG von einer hauptamtlichen Fachkraft begleitet. Diese moderiert Konflikte und andere Kommunikationsprozesse zwischen den Bewohnern und hält die Bedürfnisse sowie Interessen aller Mieter im Blick. Neben dieser Fachkraft können auch noch Freiwillige im Bundesfreiwilligendienst oder im sozialen Jahr den Tagesablauf in der WG unterstützen.

Zusammenleben organisieren

Damit es zu möglichst wenigen unnötigen Konflikten kommt, werden in wöchentlichen Wohngemeinschaftsbesprechungen beispielsweise Essens-, Putz-, und Einkaufspläne besprochen und Aufgaben unter allen Bewohnern verteilt. Eine kleine aber hilfreiche Methode die in manch anderer WG auch gerne mal vergessen wird und so auf Dauer Konflikte verursachen kann. Bei der Durchführung der Pläne arbeiten Bewohner mit und ohne Unterstützungsbedarf zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Bei den gemeinsamen Essen werden Erlebnisse von der Arbeit oder vom Studium ausgetauscht und sich gegenseitig Tipps für alle möglichen Probleme des Alltags gegeben. 

Ein Artikel von Anna Lucks aus der mittendrin Ausgabe 4/2013.

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