Meine Schule – Nix besonderes oder?

Schulzimmer
Foto: Tasmas | photocase.com

Peter Engels ist seit mehr als 20 Jahren bei den Pfadfindern und war bis letztes Jahr Bundesfachreferent der Behindertenarbeit der DPSG. Hauptberuflich ist er Lehrer an der Förderschule. Für die mittendrin erzählt er von seiner Schule.

Die Stephanus-Schule ist eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, wie unsere Schulform seit einigen Jahren heißt. Das ist meine Schule, an der ich als Lehrer arbeite. Vorher wurde unsere Schule als Sonderschule bezeichnet. Aber was ist denn so „besonders“ an unserer Schule? Das Schulgebäude liegt am Ortsrand eines kleinen Dorfes in der Nähe von Jülich in einer Gegend, die für den Braunkohletagebau bekannt ist. Von außen sieht unsere Schule aus wie etliche andere Schulen auch und ist recht modern. Aber es gibt schon Dinge, die unsere Schule besonders machen.

Die Älteren helfen den Jüngeren

So lernen bei uns Erstklässler und Abschlussschüler unter einem Dach. Das ist oft sehr praktisch, da die Kleinen von den Großen lernen und Älteren für die Jüngeren Verantwortung übernehmen. Das kennen wir ja auch bei den Pfadfindern. Im Durchschnitt sind etwa 10 Schüler in jeder Klasse. Dazu kommen dann zwei bis drei Lehrer und zusätzliches Personal, wie unsere Freiwilligen, die bei uns ihren Bundesfreiwilligendienst leisten. Da die Schüler sehr unterschiedliche Stärken und Fähigkeiten haben, werden die Unterrichtsinhalte daran orientiert gestaltet. Es gibt die gleichen Fächer wie an allen Schulen, nur sind die Inhalte individueller gestaltet. In meiner Deutschgruppe lesen meine Schüler zum Beispiel sehr gerne in der Mittendrin und haben an den Texten in leichter Sprache für die neue dpsg-Homepage mitgearbeitet.

Recht auf Bildung

Aber warum gibt es denn überhaupt „besondere“ Schulen? Um dies zu beantworten muss ein wenig in der Zeit zurückgehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es im deutschen Schulsystem keine Schulpflicht und damit kein Recht auf Bildung für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung. Im Besonderen durch die Initiative von Eltern wurden Änderungen in Gang gebracht, so dass in den 60er Jahren in den meisten Bundeländern eine Schulpflicht für alle Kinder und Jugendlichen im Gesetz verankert wurde. In Folge davon entwickelte sich das deutsche Förderschulsystem. 

Zwei Schulsysteme

Diese Schulen sollten ein Ort sein, an dem die Schüler optimal gefördert und unterrichtet werden konnten. So entstanden zwei parallele Schulsysteme. Diese Trennung hat aber auch Nachteile. So kann es zum Beispiel passieren, dass zwei Nachbarskinder, die als Kleinkinder zusammen gespielt haben, dann plötzlich in zwei unterschiedlichen Schulen ihre Schulzeit verbringen und sich nur noch selten begegnen. Eventuell können dadurch Freundschaften abbrechen oder sich erst gar nicht richtig entwickeln. Wäre es da nicht viel einfacher, wenn alle Kinder und Jugendlichen eine Schule besuchen. Ein Ort an dem jeder nach seinem Können gefördert wird und alle zusammen leben, arbeiten und feiern können. Vielerorts wird gerade daran gearbeitet mehr inklusive Schulen zu schaffen. Der Anfang ist also gemacht für eine besondere Schule die dann „nix - besonders“ mehr ist.

Alltagsgeschichten aus der Schule

Mehr über die Stephanusschule erfahrt ihr auf der Homepage der Stephanusschule, hier berichten die Schülerinnen und Schüler auch selber aus ihrem Alltag an der Schule. Und auch alle, die sich für einen Bundesfreiwilligendienst an der Schule interessieren, finden dort alle Informationen.

Ein Artikel von Peter Engels, Lehrer an der Stephanusschule, aus der mittendrin Ausgabe 4/2013.

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