Hinterfragen und Verstehen

DPSG Smartscout

Medien und ihre Entwicklung

Definition

Medien ist eigentlich ein Sammelbegriff für alle audiovisuellen Hilfsmittel zur Kommunikation und Verbreitung von Informationen, Nachrichten und Bildern. Heutzutage wird das Wort Medien aber vor allem als Synonym für Massenmedien verwendet, deren Merkmal es ist, eine unbestimmte Vielzahl von Menschen anzusprechen. Zu diesen Massenmedien zählen Printmedien (Zeitungen, Plakate), Rundfunk (Radio und Fernsehen) sowie die digitalen Medien (WWW, Social Media Anwendungen).

Vorgeschichte

Den Grundstein für die Entwicklung der heutigen Medien legte Johannes Gensfleisch, besser bekannt als Gutenberg, der bereits Mitte des 15. Jahrhunderts den modernen Druck erfand. Das erste Druckerzeugnis, das die Bezeichnung einer Zeitung im modernen Sinn verdient, war die Relation, die erstmals 1605 in Straßburg erschien. Doch dauerte es bis ins 19. Jahrhundert, bis daraus ein Massenmedium, die Zeitung entstand. Die Industriealisierung sorgte mit ihren technischen Neuerungen für sinkende Produktionskosten. Die Urbanisierung der Gesellschaft und die Entstehung von Informations- und Pressefreiheit schafften den Rahmen, in dem Zeitungen Informationen verbreiten konnten.

Hörfunk

Im Oktober 1923 erreichten die Medien in Deutschland ein neues Stadium. Mit einem Rundfunkempfänger war es nun möglich, gesprochene Botschaften über große Entfernungen zu senden. Im Gegensatz zu den Zeitungen, deren Produktion zu einer zeitlichen Verzögerung zwischen Ereignis und dessen Weitergabe führte, konnte das Radio ohne zeitliche Verzögerung – LIVE – empfangen werden.

Fernsehen

Schon bald folgte auf das Radio das Fernsehen, das in Deutschland im Jahr 1935 die ersten Mattscheiben erleuchtete.

Das Soll des Mediums sei, dass die Kraft von Bild und Wort das Gute wirke Adolf Grimme, Chef des (NWDR) – 1953 1

956 unterbrach dann aber doch zum ersten Mal ein Werbefilm das bis dahin ungetrübte Fernsehvergnügen. Das Geschäft mit den kleinen Unterbrechungen entwickelt sich rasant zu einer nicht unbedeutenden Einnahmequelle für die Sender.

1967 wurde das zunächst in Graustufen gesendete Bild durch das Farbfernsehen abgelöst.

1984 ging in Ludwigshafen der erste privatwirtschaftlich finanzierte Fernsehsender auf Sendung. Die Zahl der privaten Sender wuchs sehr schnell. 1993 bekamen dann sogar die Charts mit VIVA ihren eigenen Fernsehsender.

WWW

Das World Wide Web entstand 1989 als Projekt an der Forschungseinrichtung CERN. Seinen Durchbruch verdankt das WWW der Sprache HTML. Durch die als “tags” bekannten HTML-Befehle können Informationen auf dem lokalen PC verarbeitet und auf dem Bildschirm grafisch dargestellt werden. Das Wesen des WWW besteht in der dauerhaften Speicherung und Verlinkung von Inhalten. Im Gegensatz zu Radio und Fernsehen können die Informationen des WWW dauerhaft zur Verfügung gestellt werden. Durch die Vernetzung der unterschiedlichen Informationsangebote kann man sich Themen und Wissensgebiete umfassend erschließen. Bei der Nutzung des WWW ist man auch nicht auf Sendezeiten angewiesen, sondern kann sich die Informationen zu einem selbst gewählten Zeitpunkt beschaffen.

1998 nach noch nicht einmal zehn Jahren hat das WWW schon mehr als 1 Million Seiten. Auf die Frage, wie man sich bei der Informationsfülle zurecht finden soll, bietet Google mit seiner Suchmaschine eine Antwort.

Facebook, YouTube & Co

Durch die voranschreitende technische Entwicklung vereinfacht sich die Bedienung des Web. Es entstehen Plattformen wie Blogger und WordPress, mit deren Hilfe die Erstellung von Internettagebüchern (weblogs oder auch Blogs) so einfach wird wie das Schreiben eines Briefs. Dadurch beginnt die Grenze zwischen Anbietern und Nutzern von Inhalten zu verschwimmen. Im Jahr 2004 heißt es plötzlich “gefällt mir” – Facebook bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, sich über den Globus hinweg zu vernetzen und auszutauschen. Zwei Jahre später startet Twitter als Plattform für Kurznachrichten und bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, mit 140 Zeichen langen Nachrichten Abonennten (sog. Follower) über das eigene Leben zu informieren und mit wichtigen Nachrichten zu versorgen.

2005 eröffnet Youtube seinen Nutzern die Möglichkeit, selbst auf Sendung zu gehen und Videos zu veröffentlichen. Dies sorgt im Netz für einen Boom der Kreativität. Viele unbekannte Talente werden auf Youtube entdeckt und schaffen den Sprung ins Rampenlicht.

2007 enthüllt Apple das erstes iPhone – durch den Boom der Smartphones passt das Internet nun endlich in die Hosentasche und wird zum ständigen Begleiter.

2009: Eine Milliarde Menschen haben Zugang zum Internet – das WWW ist damit endgültig zum weltumspannenden Massenmedium geworden, in dem die Trennung zwischen Produzent und Konsument verwischen.

Das Netz wird politisch

Im April 2010 präsentiert Julian Assange der Weltöffentlichkeit ein Video über einen Vorfall, bei dem zwölf Personen, darunter auch zwei Journalisten, von US Soldaten getötet werden – Wikileaks wird zur gefürchteten Enthüllungsplattform.

Anfang 2011 keimen erste Proteste gegen die autoritäre Regierung in Tunesien auf, die sich schnell auf weitere Länder ausweiten – der Arabische Frühling beginnt. Durch die Verbreitung von Videos und Nachrichten über die sozialen Plattformen ist es für die Regimes unmöglich, das Ausmaß der Proteste zu vertuschen. Es ist keine Facebook-Revolution doch trug das Netz wesentlich dazu bei, die Aufstände zu koordinieren und eine unzensierte Berichterstattung zu gewährleisten.

Auch in Deutschland wird das Netz zusehends zum Medium für den politischen Diskurs genutzt. Initiativen fordern die Freigabe von öffentlichen Daten (OpenData), Regierungen und Kommunen beginnen ihre Bürgerdienste über das Netz bereitzustellen.


Smart surfen – sicher online gehen Arbeitshilfe WAAGS

Warum ist es wichtig, den Virenschutz am eigenen Computer regelmäßig upzudaten?

Warum ist es so schwierig, herauszufinden, wer der Urheber von fiesen Gerüchten ist?

Wie können altbekannte Spiele und Aktionen durch den Einsatz von Handy, Computer, u.ä. auch einmal anders erlebt werden?

Ihr wollt thematisch was zur Jahresaktion in Eurer Gruppe machen, aber es fehlen Euch die Ideen?

In unserem Downloadbereich findet Ihr die Arbeitshilfe “Smart surfen – sicher online gehen”. Sie wurde im Jahre 2012 vom RDP (Ring deutscher Pfadfinderinnenverbände) in Zusammenarbeit mit WAGGGS (World Association of Girl Guides and Girl Scouts) erarbeitet. Ihr findet hier – gestaffelt nach Alter – viele Anregungen für Gruppenstunden.

Schaut mal rein!

P.S.: Die Antworten auf die drei Fragen oben übrigens auf S. 12, 13 und 20.


Wirkungen der Massenmedien

Morgens zum Frühstück, auf dem Weg zur Arbeit und immer wieder zwischen durch, außerdem abends, alleine oder gemeinsam mit anderen – Massenmedien strukturieren unseren Alltag. Wir konsumieren sie täglich mehrere Stunden, mal aktiv, mal passiv, entziehen können wir uns ihnen kaum. Das wollen wir meistens eigentlich auch nicht, höchstens mal für eine Woche im Sommer beim Zeltlager. Die Medien sind zu einem festen Bestandteil unseres Lebens und damit natürlich auch zum Interesse der Wissenschaft geworden.

Medienwirkungsforschung beschäftigt sich mit dem Einfluss der Massenmedien auf die Menschen und damit, welche Veränderungen bei Individuen und in der Gesellschaft durch die Existenz der Massenmedien oder durch deren Aussagen entstehen. Sie gehen also der Frage nach: Was machen die Medien mit den Menschen? Die ersten wissenschaftlichen Studien zur Wirkung der Medien begannen schon in den 1930er Jahren. Damals ging man noch von einer sehr starken Wirkung der Massenmedien auf das Publikum aus. Die Wissenschaftler betrieben nämlich unter anderem Propagandaforschung. Später entdeckten Medienwissenschaftler jedoch, dass die Menschen die Inhalte der Medien nicht nur passiv aufnehmen, sondern selbst nach eigenen Bedürfnissen und Nutzen auswählen, welchem Medium und welchen Inhalten sie sich zuwenden. Man ging daraufhin der Frage nach: Was machen die Menschen mit den Medien? Bestimmt habt ihr selbst schon erlebt, dass ihr in Medien nur das lest, was euch interessiert und dann ein Thema „völlig an euch vorbei ist“. Oder ihr seid Nichtraucher und stellt fest, dass ihr schon viel mehr Dokus über die Gefahren des Rauchens gesehen habt, als euer Freund, der selbst raucht und solche Informationen lieber meidet. Dieses Verhalten nennt man selektive Mediennutzung und sie basiert auf der Annahme, dass Menschen selbst bestimmen, wie Medien auf sie wirken.

Aber was stimmt nun eigentlich: der Einfluss der Medien auf die Menschen oder anders herum? Keines von beiden. Wir, die Gesellschaft und die Massenmedien bedingen uns wechselseitig, das heißt, die Medien wirken auf uns ebenso wie wir auf die Medien wirken. Wie dies nun im Speziellen passiert, dazu gibt es verschiedene Theorien, die die Medienwirkungsforschung entwickelt hat. Eine sehr bekannte Medienwirkungstheorie ist die Agenda-Setting Theorie.


Agenda Setting

Die Agenda-Setting Theorie stellt sich vor allem folgende Frage: Wie beeinflussen die Massenmedien das, was in der Öffentlichkeit beziehungsweise von den Mediennutzern als wichtiges Thema oder Problem angesehen wird? Und als erste Antwort kann hier das wohl bekannteste Zitat in Zusammenhang mit dieser Theorie genannt werden.

The mass media may not be successful much of the time in telling people what to think, but the media are stunningly successful in telling their audience what to think about.Cohen, 1963

Das bedeutet, die Medien geben den Menschen nicht vor, was sie denken sollen, aber sie erklären den Menschen, worüber sie nachdenken sollen. Ersteres wäre zum Beispiel bei politischer Propaganda der Fall. Göbels und Hitler erklärten den Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus sehr genau, was sie zu denken hatten. Letzteres allerdings besagt Folgendes: Es gibt eine Rangordnung in der Wichtigkeit von Themen in der Medienberichterstattung – eine sogenannte Media Agenda. Zur der Zeit, als das Unglück in Fukushima passierte, berichteten alle Massenmedien zuerst über das Atomkraftwerk und die Menschen vor Ort, dann vielleicht über mögliche Umweltschäden. Aber die Nachrichtenbeiträge zur Finanzwelt oder zur deutschen Innenpolitik rutschten ganz ans Ende der Agenda. Nun haben nicht nur die Medien eine Agenda, also eine Rangordnung der wichtigsten Themen. Auch jeder von uns, also die Öffentlichkeit, hat eine Rangordnung, nach der sie die Wichtigkeit von Themen bewertet, die sogenannte Public Agenda.

Diese beiden Agenden, die Media Agenda und die Public Agenda wurden in der Medienwirkungsforschung miteinander verglichen und man fand heraus, dass die Public Agenda der Media Agenda sehr stark ähnelte. Erstmals geschah dieser Vergleich in Chapel Hill während des Präsidentschaftswahlkampfs 1968. Forscher untersuchten den Inhalt mehrere Tageszeitungen, Fernsehsendern, Magazinen während des Wahlkampfs und befragten daraufhin die Bevölkerung. Beide, Medien und Bevölkerung, hatten fast dieselbe Rangordnung an Themen. Die Medien beeinflussten also die Themensetzung der öffentlichen Meinung. Diese Untersuchung wurde später noch viele Male unter verschiedenen Bedingungen wiederholt. Die Kernaussauge, Medien geben den Menschen vor, worüber sie nachdenken sollen, blieb, auch wenn natürlich noch andere Beschränkungen oder Besonderheiten dazukamen.

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