Warum müssen Menschen fliehen?

Als Flüchtling ändert sich das Leben von heute auf morgen. Nichts ist mehr, wie es vorher war. Menschen verlieren ihre Angehörigen, wissen nicht, ob diese tot, oder lebend an einem anderen Ort angekommen sind. Es gibt kein Zuhause, keine Heimat mehr. Flüchtlinge müssen alles verlassen und alles aufgeben, was ihre Heimat war, und oft um ihr Leben kämpfen. Sie stehen vor dem Nichts und hoffen auf Hilfe. Sie müssen die Kraft aufbringen, in der Fremde ein neues Leben zu beginnen.

Flüchtling - was heißt das?

Flüchtlinge sind Menschen, die ihr Heimatland unfreiwillig verlassen müssen, weil ihr Leben durch Krieg oder Verfolgung bedroht ist. Aber auch Naturkatastrophen und Hungersnöte zwingen viele Menschen zur Flucht.

  • Im Jahr 2013 wurden weltweit 51,2 Millionen Menschen gewaltsam vertrieben.
  • Im Jahr 2013 wurden 109.580 Asylanträge in Deutschland erfasst. 38,5 % wurden abgelehnt.
  • 86 % der weltweiten Flüchtlinge leben im globalen Süden.
  • 50 % der weltweiten Flüchtlinge waren im Jahr 2013 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

(Quelle: Flüchtlingsrat Baden-Württemberg)

Die Genfer Flüchtlingskonvention

Der Artikel eins der Genfer Flüchtlingskonvention definiert einen Flüchtling als Person, die sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt oder in dem sie ihren ständigen Wohnsitz hat. Sie hat wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung. Sie kann den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen oder wegen dieser Furcht vor Verfolgung nicht dorthin zurückkehren.

Genfer Flüchtlingskonvention

Flüchtlinge an den Grenzen von Europa

Menschen auf der Flucht
Foto: Scharzbach / missio

Diejenigen, die die Flucht wagen, stoßen an den Grenzen an die Mauern der Festung Europa. In unseren Medien können wir oft von überfüllten oder gar gekenterten Flüchtlingsbooten, von der Grenzschutzagentur FRONTEX, von überfüllten Auffanglagern in Italien oder Griechenland sowie von überforderten Behörden lesen.

Die Bundesregierung behauptete immer wieder, Deutschland würde die meisten Flüchtlinge in Europa aufnehmen und brauche deshalb nicht weiter aktiv werden. Das ist gemessen an der Einwohnerzahl Deutschlands nicht richtig. Was die Zahl der Asylbewerber pro Einwohner angeht, bewegt sich Deutschland im europäischen Mittelfeld.

Flüchtlinge in Deutschland

In Deutschland haben im Jahr 2013 etwa 110.000 Menschen einen Asylantrag gestellt. Das Asylverfahren dauert oft mehrere Jahre. In dieser Zeit dürfen Flüchtlinge oft nicht arbeiten und leben zusammen mit anderen Flüchtlingen in Flüchtlingswohnheimen, die häufig am Rande von Städten liegen. Ihre Bewegungsfreiheit war früher auf den Landkreis eingeschränkt. Mittlerweile dürfen sich Asylbewerberinnen und -bewerber in den meisten Bundesländern innerhalb der Landesgrenzen bewegen. Da über die meisten Fragen des Asylrechts auf Länderebene entschieden wird, sieht es für Flüchtlinge regional sehr unterschiedlich aus. Allgemein ist aber die Liste mit Schwierigkeiten und Problemen für Flüchtlinge in Deutschland lang. Fragt man die Flüchtlinge selbst, sagen viele, dass die Wartezeit das Schlimmste ist. Sie können nicht richtig ankommen und dürfen nichts machen. Viele Flüchtlinge macht die Kombination aus Nichtstun und fehlenden Aufgaben mit den zum Teil schrecklichen Erinnerungen an ihre Flucht psychisch krank.

Deutschland profitiert von der sogenannten „Dublin-II-Verordnung“. Diese wurde 2003 von den EU-Mitgliedstaaten beschlossen und regelt die Asylverfahren in den Ländern der EU. Unter anderem wurde hierbei festgelegt, dass das Asylverfahren immer dort abgewickelt wird, wo ein Flüchtling zuerst ins Land kommt. Das ist häufig in Griechenland, Italien oder Spanien der Fall, wo man zu Fuß oder mit dem Boot hinkommen kann. Viel seltener kommen Flüchtlinge mit dem Schiff oder dem Flugzeug nach Deutschland.

Flüchtlinge und wir - was haben wir damit zu tun?

Flucht
Foto: Schwarzbach / missio

Immer mehr Menschen setzen sich mit zunehmend lauter Stimme für eine Willkommenskultur für Flüchtlinge ein. Das gibt den Flüchtlingen bei uns Hoffnung. In erster Linie sind das Fachorganisationen wie Pro Asyl oder die Flüchtlingsräte in den einzelnen Bundesländern, die viele lokale Initiativen koordinieren und eine gute Anlauf- und Auskunftstelle für Fragen sind. Aber auch die Caritas, der Papst, Joachim Gauck und viele andere setzen sich für eine Verbesserung der Situation von Flüchtlingen in Deutschland, Europa und auch weltweit ein.

Mit der Jahresaktion „Gast>>Freundschaft“ wollen wir als DPSG gemeinsam mit missio unseren Teil dazu beitragen. Als Konsumenten tragen wir alle Mitverantwortung für manche Fluchtursachen – wie den menschengemachten Klimawandel oder die Konflikte im Ostkongo, wo unter anderem Coltan für unsere Handys und Computer abgebaut wird und der Konflikt um die Rohstoffe immer wieder zu Unruhen führt. Diese Beispiele zeigen, dass wir uns nicht abschotten dürfen. Politisch nicht und auch auf einer menschlichen, persönlichen Ebene nicht.