Eigenständige Jugendpolitik

Foto: DPSG

Die Bundesregierung hat über das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) einen Prozess zur Entwicklung einer „Eigenständigen Jugendpolitik“ gestartet. Hauptziel des Prozesses ist die Etablierung einer Jugendpolitik als ein eigenes Politikfeld, das alle Jugendlichen und alle Themen, die für Jugendliche wichtig sind in den Blick nimmt.

Was ist neu?

Dieser Ansatz enthält zwei wesentliche Neuerungen. Zum einen berücksichtigt er die Interessen aller Jugendlichen. Jugendpolitik hatte lange Zeit ihren Schwerpunkt auf Jugendhilfe, also der staatlichen Unterstützung für benachteiligte junge Menschen. Es ging (und geht in weiten Teilen immer noch) darum, Jugendliche aus ihren Problemen heraus zu beschreiben. Wer ein Problem hatte oder machte, dem wurde von der Politik und dem Jugendamt geholfen, zum Beispiel in Hilfen zur Erziehung, in der Jugendsozialarbeit etc. (Defizitorientierung).

Diese Arbeit an sich ist weiterhin wichtig und notwendig. Mit einer Eigenständigen Jugendpolitik weitet sich jedoch die Perspektive. Sie wendet ihren Blick auf die Möglichkeiten aller junger Menschen (Ressourcenorientierung), sich in die Gesellschaft einzubringen.

Denn junge Menschen können und wollen sich einbringen – und das zu allen Themen, nicht nur in die Jugendhilfe. Die Verkehrs- und Stadtplanung (was wird wo gebaut?) sind genauso jugendrelevant wie die Ansiedlung von Firmen, die Ausbildungs- und Arbeitsplatzsituation (Wirtschaftspolitik), der Naturschutz (Umweltpolitik) oder die Staatsverschuldung und sogar die zentralen Weichenstellungen der Altersversorgung (Sozialpolitik).

Schwerpunktthemen und beteiligte Akteure

Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat in einem ersten Eckpunktepapier die Ziele für die Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik benannt. Aus diesem heraus wurden drei Schwerpunktthemen festgelegt:

  • Schule und außerschulische Lern- und Bildungsorte
  • Beteiligungschancen und -anlässe im politischen und öffentlichen Raum
  • Übergangsgestaltung von der Schule in die Arbeitswelt

Von Anfang an war dem BMFSFJ klar, dass dieser Prozess nur unter einer breiten Beteiligung von Akteuren der Zivilgesellschaft – auch der Jugendverbände - gelingen kann. 

Deshalb sind in den Entwicklungsprozess in verschiedenen Gremien eingebunden:

In der AGJ ist die DPSG direktes Mitglied, im DBJR mittelbar über den Ring deutscher Pfadfinderverbände (RdP). Koordiniert wird der Prozess durch das so genannte „Zentrum Eigenständige Jugendpolitik“.

 

 

Logo Zentrum eigenständige Jugendpolitik
Logo Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Jugendbeteiligung

Zu den drei genannten Schwerpunktthemen führt das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) jeweils drei Fachforen durch, zu dem Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Praxis der Jugendarbeit eingeladen werden. Auf diesen Fachforen werden Thesen und Fragen entwickelt, wie eine Eigenständige Jugendpolitik aus einer jeweils bestimmten Perspektive zu bewerten ist.

Jugendpolitik geht aber nur mit Jugendlichen

Die Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik ist nicht denkbar ohne den Kontakt und den Austausch mit Jugendlichen selbst. Deshalb hat der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) das Beteiligungsprojekt „Ichmache>Politik“ gestartet.

Über das Projekt können Jugendliche ihre Meinung und Interessen in den Prozess mit einbringen – und das alles aus dem Gruppenraum bzw. von zuhause aus. Denn nach jedem Fachforum werden die Ergebnisse dort aufbereitet. In einem ersten Schritt können dann weitere Meinung, Thesen und Fragen eingebracht werden. Ein zweiter Schritt gibt dann die Möglichkeit zur Bewertung aller Meinungen, Thesen und Fragen – die aus dem Fachforum genauso wie diejenigen der Jugendlichen selbst. Dabei wird u.a. durch das Stimmengeweicht unterschieden, ob man allein für sich seine Meinung abgibt, oder gemeinsam mit der Gruppe eine Meinung erarbeitet hat. Nach der Bewertung fließen die Ergebnisse zurück in den Prozess. Die Politikerinnen und Politiker sowie das BMFSFJ haben sich dazu verpflichtet, diese umzusetzen und Stellung zu beziehen. Die Beteiligung folgt also immer nach dem gleichen Schema:

  1. Aufbereitete Informationen werden zur Verfügung gestellt.
  2. Aus den Fachforen ergeben sich Fragen an das Thema.
  3. Zu den Fragen werden Beiträge gesammelt.
  4. Alle Beiträge werden bewertet.
  5. Zu den Beiträgen und deren Bewertung erfolgt eine Rückmeldung.

Am besten also gleich mitmachen unter tool.ichmache-politik.de.

Methoden

Das Projektbüro von „Ichmache>Politik“ hat jede Menge Methoden entwickelt, wie ihr euch an dem Prozess zur Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik beteiligen könnt: ichmachepolitik.wordpress.com/infobecken/.

Als besondere Methode besteht die Möglichkeit, eure Interessen in einem Video zu formulieren. Die besten Videos werden zudem mit 1.000 € prämiert!